Friedhof Römerschanze - Schließung der Gebäude
Keine Trauerfeiern mehr auf dem größten Reutlinger Friedhof
Weil sich der Boden hebt: Vom 26. Mai an dürfen Aussegnungshalle und weitere Räume während der
Sanierung nicht betreten werden.
Schon lange ist klar: Die denkmalgeschützten Gebäude auf dem Reutlinger Friedhof Römerschanze
müssen saniert werden. Doch jetzt schlägt der Statiker Alarm. Die Folge: Ab Dienstag, 26. Mai, dürfen
Aussegnungshalle, Aufbahrungs- und Abschiedstrakt sowie die Räume des Bestattungsdienstes und
der Friedhofsverwaltung nicht mehr betreten werden.
Der natürliche Untergrund der Gebäude auf dem Friedhof Römerschanze besteht aus Tonmaterial
der Sorte Lias Epsilon. Dessen Eigenschaft, sich beim Austrocknen zu heben, hat in Reutlingen schon
öfter für Gebäudeschäden gesorgt. Betroffen ist auch das in den 1950er-Jahren entstandene
Gebäudeensemble auf dem größten Friedhof der Stadt, auf dem jährlich mehr als die Hälfte der
insgesamt rund 1100 Reutlinger Bestattungen stattfinden. „Von den Technischen Betriebsdiensten
Reutlingen in den vergangenen Jahren beauftragte Gutachten ergaben, dass entsprechende
Sanierungsmaßnahmen technisch sehr aufwendig und kostspielig sind“, berichtet TBR-Chef Dirk
Kurzschenkel. Vor dem Hintergrund der finanziellen Nöte der Stadt stand die Sanierung daher nicht
ganz oben auf der Agenda: „Wir haben die Schäden aber stets im Auge behalten“, sagt er.
Die Gebäudeschäden haben deutlich zugenommen
Doch nun spitzte sich die Situation zu: „Gegenüber den Vorjahren haben sich die Hebungen im
Untergrund verstärkt, wodurch die Schäden an den Gebäuden deutlich zugenommen haben“, sagt
der TBR-Chef. „Laut Fachgutachter haben wir den Zeitpunkt erreicht, an dem die
zusammenhängenden Gebäude nicht mehr betreten werden dürfen.“ Denn inzwischen sind die
allgegenwärtigen Risse in den Wänden und die gesprungenen Fußbodenfliesen, die zu gefährlichen
Stolperfallen werden können, nicht mehr die einzige Herausforderung. Auch die Dächer sind in
Mitleidenschaft gezogen. Um mögliche Gefahren für Nutzerinnen und Nutzer des Friedhofs und der
Mitarbeitenden zu vermeiden, entschied die Betriebsleitung: Das Ensemble wird so bald wie möglich
gesperrt.
Das hat Auswirkungen auf die Abläufe. Hinterbliebene von Verstorbenen müssen sich ab dem 26.
Mai auf geänderte Rahmenbedingungen einstellen. Die Erdbestattungen selbst und auch die
Feuerbestattungen im nicht von den Gebäudeschäden betroffenen Krematorium sind zwar weiterhin
auf der Römerschanze möglich. Aber die Aufbahrungen und die Trauerfeiern müssen künftig auf den
Friedhof „Unter den Linden“ sowie die Friedhöfe in Rommelsbach, Betzingen und Degerschlacht
verlegt werden.
„Ob der Verstorbene dann für die Beerdigung auf den Friedhof Römerschanze transportiert oder dort
beerdigt wird, wo auch Aufbahrung und Trauerfeier stattgefunden haben, können die Angehörigen
frei entscheiden“, bekräftigt Betriebsleiter Kurzschenkel. Und Andrea Strasser, Leiterin der Abteilung
Friedhofswesen, ergänzt: „Unserem hoch motivierten Team ist sehr daran gelegen, dass die
Bestattungen würdevoll bleiben und Trauernde die Unterstützung bekommen, die sie in diesen
schweren Stunden benötigen.“
Die Sperrung kann bis zu fünf Jahre dauern
Ebenfalls in andere Räumlichkeiten umsiedeln müssen Friedhofsverwaltung und Bestattungsdienst.
Für Letzteren, gewissermaßen das städtische Bestattungsinstitut mit zahlreichen
Hinterbliebenenkontakten, wird derzeit noch nach einem Ladengeschäft in der Innenstadt gesucht.
Denn das Ausweichquartier für die Verwaltung, das sogenannte „Insel-Haus“ an der Echaz in der
Lederstraße 76/1, ist nicht barrierefrei – und das wäre gerade bei älteren Hinterbliebenen wichtig.
„Auf Wunsch kommen die Mitarbeiter unseres Bestattungsdienstes aber auch gerne ins Trauerhaus“,
sagt Andrea Strasser.
Wie lange es dauern wird, bis das Gebäudeensemble auf der Römerschanze wieder genutzt werden
kann, ist noch ungewiss. Dirk Kurzschenkel rechnet mit drei bis fünf Jahren. „Wir werden jedoch sehr
genau beobachten, wie unsere Interimslösung funktioniert. Gegebenenfalls suchen wir auch nach
Alternativen.“
Aktuelles
Seit 09. Oktober 2025 anerkannter Ausbildungsbetrieb für den Beruf Bestattungsfachkraft.
Eingetragen in der Handwerkskammer Reutlingen.